Ein Thema - Zwei Meinungen

Das Thema dieser Kolumne: Ist Atomstrom wirklich nachhaltig?

Dazu schreibt Bernhard Stengele, Landesvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen:

Bernhard Stengele, Landesvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen

Ist Atomstrom wirklich grün und nachhaltig?

Es wird nicht verwundern, dass wir Grüne diese Frage nur mit einem doppelten und deutlichen NEIN beantworten können.
Atomstrom ist weder grün noch nachhaltig. Nachhaltig sind die Gefahren, die man mit dem Betrieb von Atomkraftwerken eingehen und die Risiken, die von dem endlose Jahre strahlenden Atommüll ausgehen werden.

Es ist deshalb richtig, dass in Deutschland in diesem Jahr die letzten drei Atomkraftwerke vom Netz gehen werden.

Dabei dürfen wir neben den Risiken und den daraus entstehenden immensen Kosten der Atomkraft nicht vergessen, dass sie auch für einen erheblichen CO2-Ausstoß verantwortlich ist. Aktuell rund 33 g CO2 pro Kilowattstunde laut Umweltbundesamt. Das ist bereits jetzt mehr als drei- bis fünfmal so viel wie bei den Erneuerbaren. Und da es sich bei dem benötigten Uran um ein sehr rares Element im Erdmantel handelt, müssten zukünftig Vorkommen mit immer geringerem Urangehalt abgebaut werden, was die CO2-Emission beim Abbau steigern und die Klimabilanz der Atomenergie weiter deutlich verschlechtern wird.

Die Kosten, die die Atomkraft bereits jetzt zur teuersten Energieform machen, würden weiter steigen. Die hundertprozentige Abhängigkeit beim Uran bietet überdies ein enormes politisches Erpressungspotential.

Deshalb müssen wir den Umbau unserer eigenen Energieversorgung forcieren. Was in den vergangenen 16 Jahren versäumt wurde, gehen wir jetzt mit Nachdruck an, hin zu einer klimaneutralen und ökologischen Markt- und Energiewirtschaft.

Dieser Weg wirft natürlich Fragen auf. Perspektivisch werden wir beispielsweise durch die Umstellung unserer Mobilität auf Elektro deutlich mehr Energie benötigen. Gleichzeitig muss die Versorgungssicherheit trotz der beschlossenen Ausstiege aus Atom- und Kohleenergie gewährleistet werden. Das ist ein ebenso ambitioniertes, wie rationales und durchgerechnetes Vorhaben.

Falsch wäre es also zur Bewältigung der Menschheitsaufgabe Klimakrise den nächsten tausend Generationen ein gefährliches, strahlendes, ungeheuer kostspieliges Erbe zu hinterlassen, für das es keine Lösung und bis heute noch nicht einmal ein Endlager gibt.

Wir müssen uns von dem hochgefährlichen und verantwortungslosen Gedanken lösen, unsere Probleme in die Zukunft verschieben zu können und müssen sie endlich im Hier und Jetzt angehen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist hierfür der grüne und nachhaltige Weg. Und eins ist klar, jeder Euro, der in Atomkraft investiert wird, wird beim Ausbau der Erneuerbaren fehlen, deren enormes Potential ungefährlich und nachhaltig ist und die schon heute günstigen sauberen Strom produzieren.

Dazu schreibt Gerald Ullrich, Bundestagsabgeordneter, FDP und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie:

Gerald Ullrich, Bundestagsabgeordneter, FDP und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie

Atomkraft, wie sie derzeit produziert wird, ist nicht nachhaltig. Sie bürdet unseren nächsten Generationen zu viele Hinterlassenschaften auf und stellt auch eine latente Gefahr dar.

Wir sollten daher in Forschung und in neue Technologien investieren, wie Atommüll nachhaltig entsorgt werden kann. Es gibt bereits Technologien, die das Entschärfen und Recyceln von Atommüll möglich machen.

Andere Länder sind da hierbei schon einige Schritte voraus. Sie setzen bereits auf diese neuen Technologien.

Deutschland darf hier nicht den Anschluss verpassen. Wir dürfen unser Know-how nicht aus ideologischen Gründen verebben lassen. Als Forschungs- und Technologie-Nation muss man erwarten können, dass wir auch hier bei dieser weitreichenden Zukunftsfrage Weltspitze sind.