200 Jahre Friedrich Wilhelm Raiffeisen

An seinem Geburtstag am 30. März lohnt es sich, seine geniale Idee wieder in Erinnerung zu rufen.

Wie kommt man Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen solchen Gedanken? Schauen wir uns den Lebensweg von Friedrich Wilhelm Raiffeisen an.

Geboren in eine Bürgermeisterfamilie, fast ausschließlich von der Mutter erzogen und später unter der Obhut eines Pfarrers, war dies sicherlich – zusammen mit seiner höheren Schulbildung - die Basis für sein Sozialbewusstsein. Er ging nach dem Militär in die Verwaltung und wurde mit 27 Jahren Bürgermeister in Remagen und letztendlich 1852 in Heddesdorf.

Dort kümmerte er sich im Hungerwinter 1845/46 um die Versorgung der Bevölkerung. Nicht als „Almosen“, sondern mit der Möglichkeit, die Schulden zu tilgen. Niemand konnte einen wirtschaftlichen oder ideellen Vorteil erringen. Später kam der Ankauf von billigem Saatgut,Tieren und Geräten hinzu. Nach dem Verwaltungsdienst kümmerte er sich um sein Weingeschäft, den Aufbau von Schulen und einem Verkehrssystem, um den Bauern die Märkte zu öffnen. Hinzu kamen eine Sparkasse für „Gesellen, Gesinde und geringere Landleute“ und ein Wohltätigkeitsverein. Dieser soziale Ansatz wurde wegen nachlassendem Engagement der Mitglieder, die den Verlust ihres Geldes befürchteten, wieder aufgegeben. Deshalb änderte Raiffeisen die Statuten für einen neuen Verein, den Heddesdorfer Darlehenskassen-Verein, eine eingetragene Genossenschaft.

Zeitgleich hatte der 10 Jahre ältere Franz-Hermann Schulze-Delitzsch ähnliche Gedanken. Wie kamen zwei Männer Mitte des 19. Jh. unabhängig voneinander auf die Idee, erste Darlehensvereine zu gründen?

Schulze-Delitzsch ging einen ähnlichen von Kirche, Militär und Verwaltungslaufbahn geprägten Weg, war zuletzt Justiziar in Delitzsch und bemühte sich um das Gemeinwohl der Bürger. Auch ihn beeinflußten die Hungerjahren 1845/46 und organisierte ein Hilfskomitee zum Ankauf von Getreide und zur kostenlosen Abgabe von Brot an Bedürftige.
Die Erfahrungen beider Männer lässt verstehen, dass sie zwar einen etwas unterschiedlichen aber allumfassenden Blick auf Politik und Gesellschaft hatten und daraus die neue Genossenschaftsidee entwickeln und umsetzen konnten, die als tragende Säule die Hilfe zur Selbsthilfe hatte.

Der Zweck der Genossenschaften: die Kapitalansammlung und Kreditgewährung für kleine Leute.

  • Die Grundsätze: Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung, Kapitalbildung in erster Linie aus Geschäftsanteilen bzw. -guthaben, daneben Bildung von Reservefonds; Verteilung des Gewinns als Kapitaldividende oder Rückvergütung an die Mitglieder, unbeschränkte, später aber auch beschränkte Haftpflicht der Mitglieder.
  • Die Grundlage: Die Genossenschaftsgesetze von 1867 und 1889
  • Die Ideengeber: Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Franz Hermann Schulze-Delitzsch
  • Die Standorte: Raiffeisenbanken in ländlichen Gebieten, Volksbanken vorwiegend in städtischen Bereichen

Weitere Informationen zum Raiffeisenjahr erhalten Sie auf der offiziellen Webseite: