Der größte Bank(en)raub aller Zeiten!

Und die Zeche zahlt...

...wer auf seine mühsam zusammengetragenen Kröten gerade einmal 0,5% Zinsen bekommt. Er kann bei einer Inflationsrate von momentan rund 2,5% dabei zusehen, wie der reale Wert des eigenen Vermögens dahinschmilzt. Mit anderen Worten: Wer gut und gewissenhaft gewirtschaftet hat, zahlt die Zeche von Steuerverschwendern und Finanzhasardeuren. Ob er nun will oder nicht...

Achtung Glosse! Die folgenden Zeilen entstanden nach einem vorweihnachtlichen öffentlich-rechtlichen Fernsehbeitrag,...

demzufolge die Zinsen in den kommenden Jahrzehnten in der Euro-Zone wohl NICHT wieder nennenswert steigen werden. Erschwerend kamen noch mehrere Becher inflationsbedingt verteuerten Glühweins hinzu. Sehen Sie dem Autor also bitte seine schrecklich überzogene Kritik an den herrschenden Verhältnissen nach.
Auf einem mittelalterlichen Marktplatz, gleich im Schatten der Kirche, hat sich ein russischer Straßenmusiker warm eingerichtet und klampft munter seine recht eigene Version der Titelmelodie von „Doktor Schiwago“ vor sich hin. Sehr romantisch.

Stattdessen rollen in meinem Kopf Züge voller Zarengold kreuz und quer durch Sibirien, nur um dort in den Wirren des Bürgerkrieges zwischen Roten und Weißen mehr oder minder spurlos zu verschwinden…

Der Goldene Fisch (Sibirien, 1919)

Zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 besaß Russland mit über 1.300 Tonnen die mit Abstand größten Goldreserven der Welt. Nach der Oktoberrevolution von 1917 versuchten ganz unterschiedliche Gruppen, sich möglichst große Teile des immensen Staatsschatzes unter den höchst eigenen Nagel zu reißen: Lenins Rote Armee, Admiral Koltschaks Weißgardisten, unabhängige agierende Kosaken, tschechoslowakische Legionäre, reguläre japanische Truppen und Glücksritter aus aller Welt...

Es muss eine fürchterliche Schlepperei gewesen sein. Ob Edelmetall oder Erdäpfel, größere Gewichte gehen gar grausig auf den Rücken.

 

Hirn statt Muskeln (Chicago, 1931)

Ein um die Zukunft seines Sohnes besorgter Mafia-Boss der Prohibitionszeit gab seinem Sprössling folgende Worte mit auf den Weg: "Mach' es nicht so wie ich. Geh' studieren und werde Anwalt. Soviel Geld, wie die in ihren Köfferchen aus den Gerichtssälen tragen, kann ich zeitlebens nicht in unserem Stadtviertel ergaunern. Und obendrein ist bei den Herren Advokaten das alles noch legal…"

Wie recht er doch hatte. „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Eine Gaunerei muss grad' grandios genug sein und prompt ist sie keine mehr. „Wir alle haben unseren Preis. Aber erst ab einer bestimmten Summe ist ein Politiker ein Staatsmann und eine Frau eine Dame."

 

Der Perfekte Plan (Irgendwo in der EU, vor nicht allzu langer Zeit)

Eine Gaunerei muss grad' grandios genug sein...! Rasend schnell rattern die Räder im Kopf des namenlosen Finanzexperten in Regierungsdiensten. Dann steht der perfekte Plan „Meine Herren! Wir sollten aufhören, immer nur stupide an der Steuerschraube zu drehen, um an den begehrten Inhalt der Sparstrümpfe unserer redlich schuftenden Bürgerinnen und Bürger zu gelangen. Erstens bin ich die lästigen Fragen nach der fiskalischen Notwendigkeit, der (angeblich unabwendbaren) Abgabenerhöhungen aller Art langsam leid. Zweitens schlagen derlei altbackene Vorschläge immer gleich auf Prozentpunkte bei den Sonntagsfragen durch. Das mag die Chefetage nicht. Mein Plan dagegen ist perfekt: Die sagenhafte NULLZINSPOLITIK!"

Cui bono – Wem nutzt es? Die alten Römer haben schon vor langer Zeit die entscheidende Frage formuliert, wenn es um die Suche nach dem Täter ging. Tun wir es ihnen nach. Bei einer Staatsverschuldung in Deutschland von etwas über 1.900 Milliarden Euro (Stand Dezember 2019, 2012 waren es noch 2.068 Milliarden Euro) bedeutet jeder einzelne Prozentpunkt, der weniger gezahlt werden muss, eine Ersparnis von 19 Milliarden Euro – Jahr für Jahr!

Wenn Sie jetzt noch einen Blick auf den kommenden Haushalt werfen, wissen Sie ganz genau, auf welchem stabilen Fundament das Goldene Kalb genannt "Schwarze Null" tatsächlich steht...

Und die Zeche zahlt... (Hier und Heute)

...wer auf seine mühsam zusammengetragenen Kröten gerade einmal 0,5% Zinsen bekommt. Er kann bei einer Inflationsrate von momentan rund 2,5% dabei zusehen, wie der reale Wert des eigenen Vermögens dahinschmilzt. Mit anderen Worten: Wer gut und gewissenhaft gewirtschaftet hat, zahlt die Zeche von Steuerverschwendern und Finanzhasardeuren. Ob er nun will oder nicht...

Neben dem sparsamen Verbraucher sind die Banken der andere große Leidtragende der fortgesetzten Nullzinspolitik. Wenn Geld immer weniger wert ist, weil die Inflationsrate die Zinsen übersteigt, die für einen Kredit verlangt werden können, dann ist das gesamte klassische Bankgeschäft defacto hinfällig. Kapital, das keine Erträge bringt, kann schnell zur Bürde werden. Insbesondere, wenn die Europäische Zentralbank obendrein noch Gebühren für die Aufbewahrung des ungeliebten Mammons verlangt...

So, jetzt wissen Sie genau, wann und wo der größte Bank(en)raub aller Zeiten tatsächlich stattfindet.


P.S.: Dafür können sich wenigstens die Mitglieder unserer Bank glücklich schätzen. Dank des vorausschauenden Blickes des Vorstandes und der rechtzeitigen Erschließung neuer Geschäftsfelder, bekommen sie weiterhin eine sehr gute Dividende auf ihre Anteilsscheine. Da schmeckt der Glühwein gleich viel besser.