Alles wird teurer?

Ist das die Inflation? Nein!

Inflation, so meint fälschlicherweise die Plattform für seichte Wissenschaften, wäre die Preissteigerungsrate oder auch Teuerung. Weiterhin wird in dem Eintrag zur Inflation davon geschrieben, dass die meisten Ökonomen eine leichte und dauerhafte Inflation befürworten würden. Genauso falsch wird es auch immer wieder in Presse, Funk und Fernsehen weitergetragen.

Was ist die Inflation und wie wirkt sie?

Geld hat drei Funktionen. Es dient erstens als Recheneinheit und zweitens zum Geldtauschen. Die dritte Funktion ist die der Wertaufbewahrung.
Inflation ist abgeleitet von dem lateinischen Wort inflare. Das Verb „flare“ bedeutet wehen oder blasen und „inflare“ wird mit hineinblasen oder aufblasen übersetzt.
Was wird denn nun aufgeblasen? Preise? Nein, Preise können nicht aufgeblasen werden, denn sie bilden sich im Wettbewerb unter den Einflüssen der beiden Parameter: Angebot und Nachfrage. Aufgeblasen werden kann die den Marktteilnehmern zur Verfügung gestellte Geldmenge. Und genau dieses künstliche und nicht dem Markthandeln unterworfene Aufblasen der verfügbaren Geldmenge in einem Wirtschaftssystem ist die Inflation. Wird mehr und mehr Geld in ein Wirtschaftssystem gepumpt, dann kann man damit die Nachfrage erhöhen, aber in Folge erhöhen sich die Preise. Klingt harmlos, ist es aber nicht. Es führt in die Verarmung, denn die infolge der Inflation anziehenden Preise (Teuerung) laufen der Einkommensentwicklung immer davon. Unternehmen müssten die sich durch die Teuerung erhöhenden Preise an den Kunden weitergeben, können dies aber meist nur mit Verzögerung. Die inflationierte Geldmenge setzt die Kaufkraft jeder Währungseinheit herab, der Kunde schränkt sich deshalb meist ein. In dem sich verschärfenden Wettbewerb können Preissteigerungen von Unternehmen nicht an den Kunden weitergegeben werden.

Wer hat die Macht zur Ausweitung der Geldmenge und wem nützt dieses Vorgehen?

Das Münzregal war das Recht des Herrschers auf Münzprägung und Vereinnahmung des Prägungsgewinns. Kam der Herrscher bei der Ausweitung seines Machtanspruchs in Finanznöte und waren die Kassen von Krieg und Raubzug leer, wurde der Wert des Geldes gesenkt. Den im Umlauf befindlichen Silbermünzen wurden nach und nach immer mehr unedle Metalle hinzugefügt. Der Wert nahm ab, die Farbe aber blieb weitgehend gleich. Mit Gold geht das nicht so leicht, weswegen Silber seinen ganz besonderen Wert für Herrschaften hatte, denn der Betrug war optisch nicht oder nur schwer und erst bei deutlichem Absenken des Silbergehalts ersichtlich. Aber die Verschlechterung war dem Volk bekannt. Wer kennt sie nicht, die misstrauische Geste, wenn der Wirt in einem Mantel-und-Degen-Film dem Edelmann die Münze erst abnahm, nachdem er sie einer Bissprobe mit seinen Zähnen unterzogen hatte. Warum ein Biss in die Münze? Silber ist weicher als die wertmindernden Beimischungen. Sag mal einer, alte Schinken wären kein Bildungsfernsehen.

In der Antike kam es im Jahre 301 n. Chr. unter Kaiser Diokletian zum „Edictum (Diocletiani) De Pretiis Rerum Venalium“. Ein Höchstpreisedikt. Was war geschehen? Das Römische Reich war überdehnt. Kriege, aufgeblähte Verwaltung, mühsam zu unterhaltende Infrastruktur, all das konnte nicht mehr wie bisher finanziert werden. Die Ausgabe neuer und minderwertigerer Münzen und damit die Inflation hatte ein besorgniserregendes Maß angenommen: 1000 Produkte wurden den Höchstpreisgrenzen unterworfen. Dienstleistungen ebenso. Wer Parallelen zu unserer heutigen Zeit sieht, dürfte nicht falsch liegen. Der Wert des Goldes stieg nach dem Edikt schlagartig um 45 %. Die im Zuge des Edikts vorgenommenen Steuererhöhungen wirkten verheerend und beschleunigten den Zerfall der römischen Zivilisation.

Die Geschichte kennt auch danach viele Inflationen. Jede einzelne nahm den Staat und seine Herrscher mit in den Abgrund.

Wie wirkt die Inflation?

Hierzu ein Zitat von Prof. Thorsten Polleit* : „Mit Ihrer Investition erzielen Sie einen Ertrag von fünf Prozent. Beträgt die Ertragssteuer 100 Prozent, ist Ihre Rendite null Prozent, die Kaufkraft Ihres Kapitals bleibt unverändert. Das gleiche Ergebnis stellt sich ein, wenn die Ertragssteuer null Prozent und die Inflation fünf Prozent beträgt.“ Eine Inflation wirkt also wie eine zusätzliche Steuer und bringt Bürger und Unternehmen um ihre hart erarbeiteten Erträge. Bei den 2 %, welche die Bundesbank und die meisten Ökonomen als zweckmäßig erachten, ist diese Enteignung schleichend. Aber dabei blieb es nicht. Bei den Römern nicht, in der Neuzeit nicht, auch heute nicht. Die Ungleichgewichte, die durch eine dauerhafte staatlicherseits betriebene Inflation aufgebaut werden, werden immer stärker, bis es in einer Hyperinflation enden muss.

 

Fassen wir zusammen.
Inflation und Teuerung sind verschiedene Dinge, die miteinander zu tun haben, aber nicht das gleiche sind. Die Inflation wurde und wird von Herrschaftsstrukturen und deren Zentralbanken erzeugt und beseitigt diese auch.

Karsten Völkel, Beiratsvorsitzender des PDG, Genossenschaftlicher Prüfungsverband Erfurt e. V., verheiratet, zwei Kinder

* Prof. Dr. Thorsten Polleit, ein deutscher Ökonom und Chefvolkswirt der Degussa, Europas größtem Edelmetallhandelshaus