UND MAN SIEHET DIE IM DUNKELN …

… die im Lichte sieht man nicht.

„Der Mörder ist immer der Gärtner!“ So sang jedenfalls Reinhard Mey. Ganz so leicht ist die Sache leider nicht.

Wie ein jeder weiß, der Sonntag für Sonntag seinen Tatort schaut. Die Frage aller Fragen des erfahrenen Kriminalisten gilt daher weniger dem Alibi des vermeintlichen Täters mit grüner Schürze und ebensolchen Daumen, sondern vielmehr dem offensichtlichen Nutznießer jedweder Tat.

„Cui bono? Wem zum Vorteil?“ Bereits die alten Römer wussten, dass zumeist derjenige Herr das sprichwörtliche Blut an seinen Fingern zu kleben hatte, der am allermeisten vom eher unerwarteten Ableben des Opfers profitierte. Die Damen tendierten schon seinerzeit mehr zu Gift. Ist ja auch irgendwie reinlicher (was uns wiederum an Loriots Mord im Forsthaus erinnert).

Neben der heiß brodelnden Eifersucht (und all dem anderen, das Blut zum sinnlosen Rasen bringenden Gedöns rund um die angeblich schönste Sache der Welt) war, ist und bleibt die kalt berechnende Habgier das bevorzugte Motiv der meisten Meuchler. Für den Mammon geht so mancher über Leichen. In diesem Fall sind sich die Kriminalstatistiken mal ausnahmsweise alle einig.
„Cui bono? Wem zum Vorteil?“

Eigentlich müssten wir uns alle diese Frage viel häufiger stellen. Nicht nur wenn es um Kapitalverbrechen geht. Bei Verbrechen aller Art am KAPITAL selbst schaut jedenfalls kaum jemand mal etwas genauer hin.

Wen wundert es. Spätestens seit Marx genießen Unternehmer (und mit ihnen viele Banken) einen derart schlechten Ruf, dass ihnen niemand mehr öffentlich zur Seite springen will. Ganz egal, wie viel Wohlstand und Arbeitsplätze beide zu schaffen helfen. Selbst die Läuterung durch die Soziale Marktwirtschaft hat da wenig geändert. Wenn man so manchem Politiker lauscht, bleibt böse einfach böse. Egal, ob es sich um wild wuchernde Boni-Banker
gieriger Hedgefonds oder um den kleinen Unternehmer mit seiner Hand voll Angestellten handelt.

Genau diesen, unseren eingeborenen Reflex macht sich die Politik zu Nutzen. Statt mit Argumenten arbeitet sie mit Gefühlen. Und wer von uns hat denn Gefühle für ein so abstraktes Wesen wie den „Leitzins“ (mittlerweile in Bankkreisen übrigens gerne mit „d“ anstatt „t“ geschrieben)? Geschenkt, trifft ja vor allem die „da oben".

Weit gefehlt. Sehr viele von uns gehören ebenfalls zum KAPITAL.
Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht. Ein jeder, der auch nur ein klein wenig auf der hohen Kante bei seiner Bank hat, ist anteilmäßig an dem großen Topf beteiligt, aus dem sich unsere gesamte Volkswirtschaft nährt. Zugegeben, die Kuchenteile fallen alle recht unterschiedlich aus. Trotzdem gilt: Mitgefangen, mitgehangen. Die kleineren Vermögen
trifft es im Prinzip noch schlimmer. Wenn ein dickes Polster ein wenig dünner wird, ist das bei weitem verträglicher, als wenn eine dünne Schutzhaut zerreißt.

Dessen ungeachtet findet vor unser aller Augen gerade ein veritables Verbrechen statt und keiner schreit nach Polizei und Richter – die staatliche Nullzins-Politik.

„Cui bono? Wem zum Vorteil?“ Denken Sie mal scharf nach. Ein kleiner Sherlock Holmes steckt doch in jedem von uns. Genau: Wer ist der größte Schuldner überhaupt?
Eben, Vater Staat höchstpersönlich. Folglich zieht seine Kasse den mit Abstand größten Vorteil aus der jetzigen Lage. Da klappt es dann sogar mit der gern beschworenen „Schwarzen Null“.

In die Röhre gucken derweil in erster Linie die Banken. Immerhin „sitzen“ sie auf dem ganzen überschüssigen Geld, das heute mehr kostet als es einbringt. Einige Häuser überlegen bereits, sich wieder geräumige, unterirdische Tresore zuzulegen. Immer noch günstiger, als das gute Geld für teuer Geld der Europäischen Zentralbank
zur Aufbewahrung zu überlassen. Soweit sind wir gekommen.

Wollen sie trotzdem überleben, müssen die Banken die immer weiter steigenden Kosten an ihre Kunden weitergeben. Das sind SIE! Ausgeraubt durch die Hintertür.

Doch kein Grund zur Sorge. Die Kunden der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG haben mal wieder Glück: Wir haben uns rechtzeitig gekümmert und in neue Geschäftsfelder
investiert. Die dort erzielten Gewinne finanzieren nun auch unser klassisches Bankgeschäft mit. Ihr Vorteil!

 

Oliver Pikkemaat im Mitgliedermagazin Herbst 2017 der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG.