Wer vertraut gewinnt!

Woran denken Sie bei dem Begriff "Geld" als allererstes? An Münzen und Scheine? Oder vielleicht an den eigenen Kontostand?

Mit ziemlicher Sicherheit schießt den meisten von uns nicht der Begriff "Vertrauen" durch den Kopf. Dabei ist es genau dieses subjektive Gefühl, auf dem die Welt des Geldes real ruht.

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser"

- wohl kein anderes (vermeintliches) Zitat Lenins wird so oft und gern wiedergekäut wie dieses. Dabei findet es sich an keiner Stelle des, immerhin mehrere Regalmeter einnehmenden, Gesamtwerks des spitzbärtigen, russischen Berufsrevolutionärs wieder. Belegt ist lediglich dessen ausgeprägte Vorliebe für ein altes russisches Sprichwort: Доверяй, но проверяй – Dowerjai, no prowerjai - Vertraue, doch prüfe nach.

 

Viel interessanter und aufschlussreicher ist es, dass das ewige Mantra aller eingefleischten Anhänger des totalen Mikromanagements gerade den lautstarken linken und rechten Rand des politischen Spektrums besonders begeistert. Wer es gern autoritär mag, für den gilt offensichtlich die Devise: Wenn man den Leuten schon nicht hinter die Stirn schauen kann, so doch wenigstens auf die Finger.

 

Bei der schweigenden Mehrheit hingegen, setzt sich mit fortschreitender Reife die ebenso schlichte wie weitreichende Erkenntnis durch, dass die meisten unserer Mitmenschen sehr gut auf sich selbst aufpassen können, da sie weder auf der "Brennsuppe daher geschwommen" noch "auf den Kopf gefallen" sind.

 

Gerade Eltern heranwachsender Kinder - also Mädchen von acht bis achtzehn und Jungs von acht bis achtzig - wissen: Wer wirklich liebt, muss loslassen können. Erfahrungsgemäß kommt der rechtzeitig zur Selbständigkeit erzogene Nachwuchs erheblich weiter im Leben, als der nach "Helikopterart" behütete.

 

Was für die Familie gilt, gilt gerade genauso gut für jedwedes Geschäft. Ein gutes Geschäft ist nicht nur eines, an dem beide Seiten verdienen (wie schon Großvater stets sagte), sondern immer eines, das auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Am Beginn der größten Finanz- und Wirtschaftskrisen der Geschichte stand stets der Verlust desselben.

 

Es fängt schon beim "Treibstoff" der modernen Wirtschaft an (also alles seit den Zeiten des reinen Tauschhandels und der Subsistenzökonomie): Geld.

 

Sie ahnten es wahrscheinlich schon: rund 90% unseres Geldes ist imaginär (kein Wunder also, dass der Geldbeutel am Ende des Monats immer so leer ist...). Es existiert einzig und allein als reine Sichteinlage bei Kreditinstituten, sprich als Zahl auf dem Kontoauszug. Nichts weiter.

 

In der Fachsprache wird dieses "virtuelle" Geld als Buchgeld bezeichnet. Es entsteht hauptsächlich dadurch, dass eine Bank einem Kunden (egal ob geschäftlich oder privat) einen Kredit gewährt. Glaubt mein zuständiger Sachbearbeiter daran, dass ich in der Lage bin, den geliehen Betrag samt Zinsen bei Zeiten zurückzuzahlen, dann bucht er den Betrag einfach auf mein Konto - komplett bargeldlos.

 

Gerade einmal etwa 10% aller nominal vorhandenen Euros existiert tatsächlich in Form von Scheinen und Münzen. Im März 2018 waren, laut der in Frankfurt am Main ansässigen Europäischen Zentralbank, Euro-Banknoten mit einem Nennwert von rund 1,16 Billionen im Umlauf, in anderen Worten 1.160 Milliarden.

 

Klingt viel, ist es aber im Vergleich zum Börsenwert der großen Welt-Unternehmen nicht wirklich. Wer alle Aktien von Apple - momentan der weltweit wertvollste Konzern - kaufen möchte, braucht alleine rund 800 Milliarden Euro.  Das "Restgeld" von 316 Milliarden Euro reicht dann noch nicht einmal mehr, um sich noch Amazon  - die weltweite Nummer 2 - unter den Nagel zu reißen. Der gerade einmal vor 24 Jahren gegründete Internetversender würde nämlich mit rund 750 Milliarden zu Buche schlagen. So ein Pech. Selbst für Microsoft - weltweit die Nummer 3 - würde es bei weitem nicht reichen. Unter 690 Milliarden Euro ginge die in einer Garage in Albuquerque geborene Firma von Bill Gates sicher nicht über den Tisch.

 

Wir erkennen, ohne die immensen Mengen des in allererster Linie auf Vertrauen basierenden Buchgeldes, würde die Weltwirtschaft schlichtweg nicht funktionieren. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

 

Wer heutzutage davon träumt, zu einer auf dem Gold-Standard basierenden, nationalen Währung zurückzukehren, beweist bestenfalls seine völlige Unkenntnis ökonomischer Grundgegebenheiten.

 

Bei der Gelegenheit. Mit rund 10.700 Tonnen verfügen alle 19 Euro-Länder zusammen über die größten Goldreserven auf dem Globus, doch decken diese, mit einem Gesamtwert von etwa 364 Milliarden Euro, gerade einmal ein Drittel des von der Europäischen Zentralbank ausgegebenen Bargeldes ab. Sprich: Wenig mehr, als den dreißigsten Teil des Buchgeldes (und damit steht der Euro immer noch weit besser da, als alle anderen Währungen der Welt). Mehr ist mittlerweile einfach utopisch.

 

Die große Frage, vor der jeder Bankkunde steht, ist eine andere: Wem möchte ich mein Geld anvertrauen?

Persönlich halte ich es ja lieber mit einem Haus, dessen Vorstand ich beim Eisessen auf dem Schmalkalder Marktplatz treffen kann und der persönlich für seine Geschäftspolitik haftet, als einem gesichtslosen Manager im ferner Frankfurt am Main, der in einem Turm aus Stahl und Glas sitzt und irrwitzige Boni kassiert, selbst wenn sein Laden gerade den Bach runter geht.

Doch das muss ein jeder von uns für sich selbst entscheiden.